Abfall neu denken: Wie aus Müll plötzlich Design-Möbel werden

Wann ist Müll wirklich “Müll”? Wie gehen wir mit Produkten um, die wir momentan nicht mehr (ge-)brauchen? Solche und ähnliche Fragen werden viel zu selten gestellt. Wegwerfen und neu kaufen ist eben häufig bequemer. Dass auch aus Abfall hochwertige Designobjekte entstehen können, ist in der Ausstellung auf der MS Wissenschaft zu sehen.

Es sind zwei Seiten der einen Medaille: auf der einen stehen all die Waren und Produkte, die wir kaufen und konsumieren. Auf der anderen Seite türmt sich der Müll, der dabei unweigerlich anfällt. Bereits bei der Produktion gibt es jede Menge Abfall, dann den Verpackungsmüll und wenn Produkte nicht mehr richtig funktionieren oder nicht mehr gebraucht werden, dann werden sie auch zu “Abfall”.

Von der Wegwerf- zur Recyclinggesellschaft

Rund 450 Kilogramm Müll jährlich produziert jeder Einzelne in Deutschland. Was die Recyclingquote angeht, so sind wir übrigens sehr vorbildlich. Mehr als 50% des Müllaufkommens wird wiederverwertet.

Interessant wird es aber, wenn man sich überlegt, nach welchen Kriterien wir entscheiden, dass bestimmte Dinge nun “Abfall” sind und weggeworfen werden. Wie unterscheiden wir zwischen “alt” und “neu”? Wie zwischen wertvollen und wertlosen Produkten, die allein aufgrund dieser Unterscheidung zu Müll werden?

Über das Verhältnis von Wegwerfen und Entwerfen

An der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Schwäbisch Gmünd haben sich die Designstudenten Matthias Borowski und Philip Fürstenhöfer dieses Themas angenommen. Und sie haben dabei einen für Designer sehr ungewöhnlichen Zugang gewählt. Denn eigentlich dreht sich ja beim Design alles ums “Entwerfen” – innerhalb iher Abschlussarbeit haben Matthias und Philip aber das “Wegwerfen” ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt.

Und sie haben dabei festgestellt, dass “Müll und Abfall oft lediglich ein falsches Material zur falschen Zeit am falschen Ort ist.” Darüber sollte man wirklich häufiger nachdenken…

Jedenfalls haben sich die beiden jungen Designer jede Menge Abfall, vor allem Restmaterialien und ungenutzte Rohstoffe aus Unternehmen besorgt. Und daraus haben sie neue Möbelobjekte entwickelt. Recycling für’s Wohnzimmer also.

Hocker, Lampe, Tische oder Teppich sind beispielsweise aus Industriefilz und Thermotransferfolie, sowie aluminiumbeschichteten Kartonagenabschnitten gefertigt. Diese Elemente sind jeweils nur nur rein mechanisch miteinander verbunden und bilden doch eine neue funktionale Einheit.


Deutlich wird (und einige der Möbelstücke sind auf der MS Wissenschaft zu sehen), dass es eine Frage der Perspektive ist, wenn wir bestimmte Dinge als “Abfall” etikettieren. Vielleicht sollten wir zweimal hinsehen und uns überlegen, ob die Materialien, die wir wegwerfen vielleicht als Material für Design-Möbelstücke dienen können. ;-)

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